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  • Josephine Friedel

Wien, Österreich


Josephine Friedel, Master-Studiengang Pharmazeutische Biotechnologie


Schon seit Ewigkeiten wünschte ich mir, für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen und Erfahrungen sammeln. Doch was ist 2021 während Corona schon möglich? Ich bewarb mich in Spanien, Italien, Australien, aber bekam leider nur Absagen. Eine Kommilitonin hat mir die Universität BOKU Wien empfohlen und ich verliebte mich beim Einlesen in das Department Cell Cultures and Tissue Technology. Ich bekam auch eine Zusage vom Department Molekularbiologie für Antikörper-Engineering, aber nach dem Vorstellungsgespräch war ich mir nur noch sicherer, dass Cell Culture Techniques für mich das Richtige ist. Und am Ende kann ich sagen, dass ich noch nie so gerne zur Arbeit gegangen bin. Von allen erdenklichen Szenarien, in denen ich mit Biotechnologie später arbeiten könnte, ist das, was ich an der BOKU kennengelernt habe das was mir am meisten Spaß macht. Schon am ersten Tag wurde ich freundlich allen Mitarbeitern des Departments, bei dem ich nun drei Monate mein Praktikum machen soll, vorgestellt und mit Kaffee in Empfang genommen. Ich bekam eine eigene Chip- und Schlüsselkarte mit meinem Foto und wurde durch alle Labore und Gemeinschaftsräume und das Gelände herumgeführt. Ich bekam einen eigenen Schutzkittel und Schutzschuhe. Einen eigenen Arbeitsplatz bekam ich nicht, aber ich durfte im Gemeinschaftscomputerraum arbeiten.


Das Leben an der BOKU und die Gemeinschaft

Dadurch, dass die BOKU nicht nur ein Forschungsinstitut, sondern auch eine Universität ist, habe ich einen Monat später, nach Semesterferienende, auch Biotechnologie Studenten kennengelernt. In den drei Monaten habe ich meine Mittagspause kein einziges Mal alleine verbringen müssen. Auch in die Departments Molekularbiologie, tierische Zelltechnologie, molekulare Biotechnologie durfte ich hineinschnuppern. Spannend war auch das Chromatografie-Projekt, um das SARS-CoV-2-Protein (für Labor-Analysen) aufzureinigen. Ich durfte eigentlich bei jedem Forschungsprojekt im Department Tissues and Cell Culture Techniques mit assistieren, zuschauen und Fragen stellen. Mein Highlight war ein neuer Doktorant aus dem Bereich Materialwissenschaften, der magnetische Polymer-Liposome produzierte, um Wirkungsstoffe, die dort drin verpackt sind, gezielt über ferromagnetische Kräfte loszulösen. Das Beste war aber, dass ich mir nach vielen, vielen Jahren endlich den Traum erfüllt habe, endlich mal ein Millionen teures Rasterelektronenmikroskop mit eigenen Augen zu sehen. Andere forschten daran, wie man mit Interleukinen das Immunsystem gegen spezielle Krebszellen (Leukämie) aktivieren kann oder wie man neue Modelle entwickelt, um Mesenchymale Stammzellen in 3D zu kultivieren. Selbst das gemeinsame Feuerlöschtraining, welches regelmäßig für alle BOKU-Mitarbeiter angeboten wurde, hat viel Spaß gemacht. Draußen, bei herbstlichem Sonnenschein, haben wir als Gruppe gemeinsam gelernt, mit welchem Feuerlöscher man am besten jedes Feuer löscht und wie man sich am Besten bei einem gefährlichen Brand verhält.



Was für uns neu und überraschend war, war dass man in einem verrauchten brennenden Raum, wenn man jemanden liegen sieht, diesen liegen lassen sollte. Unsere soziale Ader in uns hätte die Person herausziehen wollen. Aber nur wenige Sekunden der toxischen Luft einzuatmen (vor allem, wenn im Labor Chemikalien brennen), könnte schon die eigene Lebensgefahr bedeuten.


Die Masterantin Constanca aus Portugal hatte als sehr cooles Master-Projekt, Hautmodelle für Forschungszwecke zu modellieren und entwickeln, um damit Tierversuche zu reduzieren. Zu ihrem Abschied sind wir gemeinsam mit meinem Betreuer und einigen BOKU-Mitarbeitern typisch österreichisch Kaiserschmarrn essen gegangen.


Die BOKU hat viel Angebot an coolen Programmen, interessanten Vorlesungen und gemeinschaftlichen After-Work-Treffen am Freitag Nachmittag mit gemeinsamen Spiele-Abenden und departmentübergreifendes Kennenlernen (s. Foto).






Der Musikvideo-Traum aus dem Labor

Beim gemeinsamen Musikhören im Labor und Batteln von coolen Musikvideos auf Youtube, kam mir eines Tages die Idee, auch einen Song über meine Labor-Arbeit zu schreiben und dazu ein Musikvideo zu drehen. Das ganze als ein bekanntes Cover aus den letzten Charts. Ich entschied mich für den Song “Bad Guy” von Billie Eilish, taufte ihn in “Cell Type” um, schrieb den Text und nahm in später mit meinem Produzenten in Hamburg im Tonstudio auf. Es steckte mehr Arbeit hinter meiner Schnaps-Idee, als Anfangs gedacht. Da nicht jeder Beliebige einfach mit seiner Freizeitkleidung ohne Erlaubnis in das Labor hereinspazieren darf, musste ich musste ich mit dem Head of Department die Umsetzungsmöglichkeiten besprechen, mir eine Drehgenehmigung bei der Presseabteilung der BOKU sowie ein Hygienekonzept mit Teilnehmerliste wegen Corona organisieren. Zudem musste ich, um nicht im Hintergrund Forschungsarbeit aufzudecken, zu stören oder versehentlich Schleichwerbung für Laborgeräte o.ä. zu machen, ein extra Versuchs-Labor für den Dreh organisieren und reservieren. Wir gestalteten ein Storyboard für das Musikvideo. Als Requisite für z.B. das Zellmedium würde rote Lebensmittelfarbe dienen. Ich suchte und kontaktierte einen Videografen, zufällig ehemaliger BOKU-Lebensmitteltechnologie-Student, mit dem ich ein Drehbuch passend zu meinem Songtext erarbeitete. Soweit alles endlich fertig geplant, kam leider am Tag vor dem Drehbeginn die schlechte Nachricht: In Wien ist wieder Lockdown. Alle nicht-notwendigen Arbeiten sollten bzgl. Anwesenheit auf ein Minimum reduziert werden und der Head of Department sagte mir mein Projekt leider ab. Damit wurde mein Musikvideo-Traum leider auf Eis gelegt und ich hatte Home-Office. Nichtsdestotrotz hatte ich bis dahin eine sehr schöne und erlebnisreiche Zeit. Da mir Wien so gut gefallen hat, habe ich mich bei verschiedenen Instituten beworben und hatte sogar persönliche Bewerbungsgespräche mit Unternehmensrundführung. Ab April werde ich meine Master-Arbeit in Wien beim Ludwig-Boltzmann-Institut (LBI) beginnen, die auch an der BOKU einen Standort für ihre Labore haben. Die Presseabteilung und der Videograf sind bereits über die Verschiebung meines Musikvideoprojektes informiert. Aufgeschoben ist Gott sei Dank nicht aufgehoben :-)


Alles in allem bin ich super begeistert von der Stadt Wien, dem super angenehmen Klima an der BOKU Wien, das mir gezeigt hat, wie viel Freude man dabei haben kann, zur Arbeit zu gehen und seine Kollegen zu sehen. Die Stadt Wien ist wunderschön und nach 3 Monaten habe ich mich immer noch nicht an der Stadt satt gesehen. Es gibt immer noch etwas zu entdecken. Ich war in einem gigantischen Meeresaquarium “Haus des Meeres”, in welchem als alten Kriegsbunker zu einem tropischen Aquarium umfunktioniert wurde. Von unten nach oben durchgearbeitet, haben wir auf der Dachterasse noch den Ausblick auf die schöne Stadt Wien genießen können. Zudem habe ich an Wochenenden gerne Wanderausflüge gemacht


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